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Spezialitäten

 

 

Weckmänner

Produktgruppe:

feine Backwaren mit Hefe

Weckmänner (3)

Weckmänner (3)

Weckmänner (3) Weckmänner (1) Weckmänner (2) Weckmänner (4) Weckmäner (5)

weitere Bezeichnung:

Stutenkerle

Regionen:

Bamberg, Bayreuth, Coburg, Fichtelgebirge, Frankenwald, Fränkische Schweiz, Fränkische Hassberge, Lichtenfels, Kulmbach, Kronach, Wunsiedel, Oberes Maintal - Coburger Land, Steigerwald

Offenlegungsdatum:

Der Weckmann oder Stutenkerl stammt als Gebildgebäcke ursprünglich aus dem Rheinland. Inzwischen wird der Brauch auch in einigen Regionen Oberfrankens gepflegt.

Beschreibung:

Der Advent ist der Beginn des Kirchenjahres und die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest. Traditionell werden die Häuser mit Tannengrün, Adventskränzen, Kerzen und Lichtersternen geschmückt. Auch wenn die Adventszeit früher Fastenzeit war, beginnt doch bereits das große Backen für die Festtage. Der Nikolaustag (6.12.) ist für alle Kinder im Brauchtum ein erster festlicher Höhepunkt, an dem die vor die Tür gestellten Stiefel mit Süßigkeiten, Nüssen und Mandeln gefüllt werden. Zu diesem Anlass werden auch in Oberfranken inzwischen Weckmänner oder Stutenkerle gebacken, die wohl an den bärbeißigen Begleiter des Nikolaus, den Knecht Ruprecht erinnern sollen. Sie bestehen aus einem süßen Milchbrötchen- oder Hefeteig (Weckenteig), der wegen seines Weizenmehlanteils in früherer Zeit immer als eine festliche Besonderheit galt.

In vielen oberfränkischen Familien wird das traditionelle Brauchtum der Advents- und Weihnachtszeit auch heute noch liebevoll gepflegt. Beginnend mit dem Flechten des Adventskranzes, werden Lichter aufgestellt oder Sterne in die Fenster gehängt, die den Weg zur weihnachtlichen Krippe weisen. Am 4.12. werden traditionell die Barbarazweige geschnitten, die pünktlich zum Fest Blüten treiben. Die Kinder freuen sich dann besonders auf den Nikolaustag (6.12.), der ihnen Süßigkeiten und kleine Geschenke beschert. Der aus Straubing stammende Kirchengelehrte Thomas Kirchmeyer beschreibt 1555 erstmals das auch heute noch bekannte Brauchtum, nachdem neben die gefüllten Schuhe und Stiefel der Kinder auch eine Rute gelegt wurde.

Seit dem späten 16. Jahrhundert wird der Nikolaus immer häufiger von verschiedenen Schreckfiguren begleitet, die die Kinder zu Gehorsam ermahnen und die ungehorsamen Kinder bestraft. Aus Thüringen ist erstmals im 17. Jahrhundert der Name "Knecht Ruprecht" überliefert; in der Alpenregion wird er "Krampus" genannt. Beide können auch gemeinsam auftreten und stellen gewissermaßen ein negatives Gegenbild des hl. Nikolaus als dem Freund der Kinder dar. Möglicherweise leitet sich der aus dem Bistum Köln stammende Brauch, zum Nikolaustag männliche Figuren aus einem guten Hefeteig zu backen, aus diesem Zusammenhang ab. So stellen diese Weckmänner oder Stutenkerle möglicherweise in verniedlichter Form die rauen Gesellen dar, die als Backwerk die Kinder nicht mehr erschrecken, sondern erfreuen sollten. Ursprünglich wurden sie mit kleinen Tonpfeifen ausgestattet, die sich aber eigentlich eher missverständlich aus der in der Hand gehaltenen Rute entwickelte.

Nach einer anderen Deutung stellen die Weckmänner den heiligen Nikolaus selber dar. Dieser habe ursprünglich als Symbol einen Bischofsstab getragen, der später zur Tonpfeife umgedeutet wurde.

In den evangelischen Regionen bäckt man die Weckmänner traditionell schon zum St. Martinstag (11.11.). In das Brauchtum um Sank Martin als Wohltäter der Armen integriert, ermahnen sie so allgemein zu Wohltätigkeit und Fürsorge. An beiden Festtagen werden traditionell auch Brezeln gebacken und an die Kinder verteilt.

Aufbewahrung / Haltbarkeit:

Weckmänner sollte man frisch verzehren!

Genusstipp:

Weckmänner sind ein lustiges Gebildbrot aus einem guten Hefeteig. Sie werden in vielen Bäckereien zum Nikolaustag gebacken und traditionell zum Frühstück gegessen. In manchen Familien ist es auch Brauch, die Weckmänner gemeinsam am Abend des 5.12. zu backen. Zum Nikolaustag zieren sie den Frühstückstisch oder werden in die geschmückten Nikolausstiefel gesteckt.

Rezept

Weckmänner

Autoren:

Genussregion Oberfranken, Foto Martin Bursch; Textbearbeitung Uta Hengelhaupt

 

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