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Spezialitäten

 

 

Bamberger Hörnla-Kartoffeln

Produktgruppe:

Kartoffeln

Bamberger Hörnla-Kartoffeln

Bamberger Hörnla-Kartoffeln

Bamberger Hörnla-Kartoffeln Bamberger Hörnchen, frisch vom Feld

weitere Bezeichnung:

Hörnchenförmige Kartoffel, Hörnla

Regionen:

Bamberg, Bamberger Land, Landkreis Bamberg

Offenlegungsdatum:

Hörnchen-Kartoffeln werden erstmals 1819 in Deutschland erwähnt; für den Raum Bamberg sind sie durch den 2. Bericht der Naturforschenden Gesellschaft von 1854 nachzuweisen.

Beschreibung:

Das "Bamberger Hörnla " oder auch " Bamberger Hörnle " ist eine kleine, festkochende Kartoffelsorte mit Geschmack und Geschichte. Vermutlich wurden die äußerst wohlschmeckenden Kartoffeln nach den verheerenden Kartoffelepedemien von 1846 - 1849, als man sich um neue und widerstandsfähige Anbausorten bemühte, aus Frankreich eingeführt und vor allem im Bamberger Land kultiviert. Dort jedenfalls wird sie 1854 im 2. Jahresbericht der Bamberger Naturforschenden Gesellschaft erstmals erwähnt. Die Sorte dürfte jedoch deutlich älter sein, lässt sich in ihrem Ursprung aber nicht feststellen.

Feinschmecker in ganz Deutschland schätzen die kleine, leicht gekrümmte Kartoffel wegen ihres intensiven, fein nussigen Aromas und ihrer angenehmen bissfesten Konsistenz. Aufgrund ihrer geringen Erträge werden die Hörnchen jedoch nur in begrenzten Mengen angeboten. Es gibt zwei Typen: eine gelbschaliges und eine leicht rotschaliges Hörnchen. Beide sind vorwiegend fest kochend und eignen sich sehr gut als Beilagen- und Salatkartoffeln zu besonderen kulinarischen Anlässen.

Da das " Bamberger Hörnchen", " Bamberger Hörnla " oder auch "Bamberger Hörnle" als freie, d.h. nicht durchgezüchtete Landsorte nicht auf der Sortenliste des Bundessortenamtes stand und keinen Erhaltungszüchter hatte, war der Bezug von gesundem und sortenreinem Pflanzgut lange Zeit kaum möglich. Das Bamberger Hörnla wurde nie züchterisch bearbeitet. Sein hoher Pflegeaufwand bei sehr niedrigem Ertrag machte es bei den Erzeugern zum reinen Liebhaberprodukt. Da es sich nicht für den maschinellen Gebrauch eignet, müssen alle Arbeitsgänge von Hand ausgeführt werden. Das Hörnchen war zudem sehr anfällig gegen Schädlinge, weshalb seine Erträge nur bei etwa 20 - 30% lagen. Da kaum gesundes Saatgut zu haben war, wurde das echte Bamberger Hörnla immer häufiger durch ähnliche, aber ertragreichere Sorten wie die alte französische Landsorte "La Ratte" ersetzt.

In den 1960ger Jahren drohte ihm sogar das endgültige "Aus", als die Behörden seinen weiteren Anbau wegen einer Kartoffelkrankheit verbieten wollten. Da aber einige wenige Gärtner und Landwirte, wie der Hallstadter Adalbert Eichelsdörfer und das Slow-Food-Mitglied Rainer Lesch nicht vom Bamberger Hörnchen lassen mochten, starteten sie eine einmalige Rettungsaktion, die bald von vielen anderen Akteuren unterstützt wurde. 2005 wurde das Bamberger Hörnchen als Passagier in die Slow-Food Arche des guten Geschmacks aufgenommen. 2006 gründete sich eine Förderkreisinitiative, die von Fachleuten der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung unterstützt wurde. Mit ihrer Hilfe wurde vieles leichter und manches überhaupt erst möglich. So übernahm die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung eines Anbauversuches und schuf die Grundlagen für eine Erhaltungszüchtung im fränkischen Ursprungsgebiet. Auch die Anmeldung einer geschützten Herkunftsbezeichnung für das "Bamberger Hörnchen" wäre ohne diese Unterstützung nicht so schnell auf den Weg gebracht worden. Nach Gründung des Fördervereins "Bamberger Hörnla in Franken e.V." wurde die feine Knolle durch die UNO sogar zur "Kartoffel des Jahres 2008" gekürt. Dieses spektakuläre Ereignis brachte dem Hörnchen bundesweite Aufmerksamkeit und steigerte seine Bekanntheit auch in seiner Heimatregion, dem Bamberger Land.

Durch die gute Zusammenarbeit von Erzeugern und Förderern in Franken und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising steht inzwischen wieder genügend virusfreies Erhaltungsmaterial zur Verfügung. Gab es also die kleinen Kartoffeln lange Zeit nur noch bei wenigen eigensinnigen und traditionsverbundenen Gärtnern, werden sie heute wieder an fast allen Ständen der Bamberger Wochenmärkte angeboten und gekauft. Ein glückliches Ende oder besser gesagt ein gelungener Wiederbeginn also für die alte Bamberger Charakterknolle.

Aufbewahrung / Haltbarkeit:

Wie alle Kartoffeln sollten die Bamberger Hörnchen kühl, trocken und dunkel gelagert werden. Die im September geernteten Knollen erreichen ab Weihnachten die optimale Verzehrsreife. Sie sollten also erst ab Ende Dezember gegessen werden.

Herstellung:

Die Bamberger Hörnla werden von mehreren Gartenbaubetrieben in Bamberg und im Bamberger Land angebaut.

Schutz des Produktnamens:

Das Bamberger Hörnla ist ein Passagier der Arche des Geschmacks. Die Arche des Geschmacks ist ein internationales Projekt von Slow Food. Ziel dieses Projektes ist es, lokale und regionale Lebensmittel, Nutztier- und Nutzpflanzenarten sowie Gerichte, die mangels Angebot auszusterben drohen, vor dem Vergessen zu retten. Für den Namen "Bamberger Hörnchen" ist Schutz als geschützte geografische Herkunftsbezeichnung beantragt.

Jahreskalender:

Sie können die Spezialität im Herbst, im Winter und im Frühjahr genießen.

Genusstipp:

Bamberger Hörnla sind eigentlich viel mehr als eine Beilage. Sie passen zu allen Gerichten, denen ihre leicht "speckige" Konsistenz den richtigen Glanz verleiht. Probieren Sie auf alle Fälle einen Kartoffelsalat aus Hörnchen oder kombinieren Sie es mit Fisch und feinem Gemüse. Auch solo, nur mit Butter und feinen Kräutern angerichtet, ist es ein Hochgenuss. Am besten kocht man es als Pellkartoffel, dann lassen sich die feinen Schalen leicht abziehen.

Am Besten schmecken die im späten September geernteten Hörnchen, wenn man sie an kühlem und dunklen Ort einlagert und nicht vor Weihnachten verbraucht!

Rezept

Bamberger Festtags-Kartoffelsalat

Literatur:

http://www.slowfood.de/arche_des_geschmacks/passagiere/bamberger_hoernla/
Wikipedia-Artikel "Bamberger Hörnla-Kartoffeln".
Förderkreis Bamberger Hörnla, Georg Lang, genius.loci.georg.lang@web.de

Autoren:

Genussregion Oberfranken, Foto Martin Bursch; Textbearbeitung Uta Hengelhaupt

 

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